Werkstatt für Restaurierung von kunsthandwerklichem Glas

Beratung – Restaurierung – Schulung
Restaurierung musealer Glasobjekte aus öffentlichen und privaten Sammlungen
unter Verwendung bewährter, reversibler Materialien mit höchster Beständigkeit
Fragmente Humpe Hofkellerey Dresden 1692

Fragmente eines Humpens der Hofkellerey Dresden 1692 – Festung Königstein

Vorbereitung der Restaurierung

Grundlage restauratorischer Maßnahmen bildet eine Analyse des Objektzustandes.

Hierbei werden auch Dokumente über die Herkunft, mögliche frühere konservatorische, restauratorische Eingriffe sowie Literatur hinzugezogen.

Auf dieser Grundlage wird eine Konzeption über die weitere Vorgehensweise – Reinigungsmethoden und Auswahl geeigneter Chemikalien, Materialien, einschließlich Kunstharze und Farben für mögliche Retuschen oder Vergolderarbeiten – erarbeitet in der der genaue Ablauf der Restaurierung geplant wird.

Wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche, qualitativ hochwertige Restaurierung schadhafter kunsthandwerklicher Objekte ist eine gründliche, schonende Reinigung unter Berücksichtigung der vorbereitenden Untersuchungsergebnisse.
Hierbei wird zwischen Trocken- und Nassreinigung unterschieden.
Die Trockenreinigung wird mit einem weichen Tuch, Pinseln oder auch dosierter Druckluft vorgenommen.
Die Nassreinigung erfolgt im Wasserbad unter Zusatz eines Spülmittels unter Zuhilfenahme von Borstenpinseln und unterschiedlichsten Bürsten. Oft werden auch spezielle Chemikalien oder Enzyme eingesetzt.

Klebung von Glas

Für die Verklebung werden vorzugsweise niederviskose Kunstharze – in Abhängigkeit vom Objektzustand und der späteren Verwendung – auf Lösungsmittel- oder Epoxidharzbasis eingesetzt.

Die zu klebenden Bruchflächen werden in der Regel mit Aceton behandelt.
Klebetechniken:
Während beim Einsatz hochviskoser – zähflüssiger – Klebekunstharze nur die Technik der Stück-für-Stück-Klebung möglich ist, bieten niederviskose – dünnflüssige Kunstharze die Möglichkeit der Infiltrationsklebung, bei der sehr feine Fügestellen entstehen.

Klebung einer Galé-Vase

Vorbereitung der Infiltrationsklebung von Glasobjekten

Bei der Infiltrationsklebung werden die Bruchstücke nacheinander zusammengesetzt und mit Klebestreifen fixiert. Durch die Kapillarwirkung dringt das niederviskose Klebekunstharz in die haarfeinen Fugen ein und kann danach aushärten. aus. Überschüssiger Kunstharz auf Lösungsmittelbasis kann nach dem Aushärten mit Aceton Abgenommen werden. Überschüssiger Epoxidharz wird vor der völligen Aushärtung ebenfalls mit Aceton unter Zuhilfenahme eines Skallpels beseitigt. Hierbei muss mit besonderem Bedacht und großer Sorgfalt gearbeitet werden.

Mit der Technik der Infiltrationsklebung lassen sich auch Sprünge kleben ohne dass das gesprungene Stück – wie fälschlicherweise oft angenommen wird – gebrochen werden muss.

Ergänzung von Fehlstellen an Gläsern

Abplatzungen, Randfehlstellen und größere Teile wie beispielsweise Henkel oder Verschlussstopfen können mit gießfähigen Kunstharzen, deren Brechungsindex annähernd dem des Glases entspricht, ergänzt werden.

Bei Bedarf können diese Ergänzungsmassen auch der Farbe des Glasobjektes angepasst werden.

Ergaenzen am Humpen Hofkellerey Dresden 1692

Vorbereitung einer Ergaenzen am Humpen Hofkellerey Dresden 1692

Ergaenzung mit Epoxydharz Humpen Hofkellerey Dresden 1692

Vorbereitung einer Ergaenzen am Humpen Hofkellerey Dresden 1692 mit Epoxydharz vor der Überarbeitung

Die Ergänzung kann direkt am Objekt angegossen werden, indem um die Fehlstelle eine Form aus Wachs gelegt wird. Bei größeren Ergänzungen können diese auch unter Verwendung von Silikonformen extra angefertigt werden, wobei hier entweder ein Abdruck von einem Vergleichbaren Teil genommen wird, oder aber ein Modell anzufertigen ist.

Abschließend erfolgt bei dekorierten Objekten eventuell eine Vervollständigung der Dekoration auf den Ergänzten Bereichen. Oft ist auch vorhandene Vergoldung mit Blattgold oder Pudergold zu ergänzen.

Dokumentation der Restaurierungsarbeiten

Die Objektzustandsanalyse und die Restaurierungskonzeption sind Grundlage für die Erfassung der durchgeführten Arbeiten in einer Restaurierungs-Dokumentation.

Dabei werden sowohl die verwendeten Materialien und Hilfsmaterialien erfasst und deren Einsatz beschrieben. Auch die materialbezogenen Sicherheitsdatenblätter werden im Anhang aufgenommen, da hieraus wichtige Schlüsse für spätere restauratorische Arbeiten gezogen werden können.
Neben Bildmaterial sind auch naturwissenschaftliche Untersuchungsergebnisse und Untersuchungsprotokolle und eventuelle Literaturhinweise Bestandteil der Abschlussdokumentation.
Die Ausfertigung einer Dokumentation ist mit erheblichem Aufwand verbunden und gehört deshalb nicht grundsätzlich zum Restaurierungsauftrag.

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